weblog von karin wenger
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

https://myblog.de/marhaba

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Marhaba!

Auf der Suche nach einer ganz allt?glichen und ganz und gar apolitischen Geschichte, bin ich im Kalandia Fl?chtlingslager auf die Boxchampions Pal?stinas gestossen. In Pal?stina sind jedoch selbst Boxer politisch.

26. April 2005

Die Boxelite vom Kalandia Fl?chtlingslager

Ismail Fayalh, der Box Champion von Pal?stina ist ein wortkarger Mann. Der 26-J?hrige sitzt mit gefalteten H?nden unter einem mannshohen Bild der al-Aksa Moschee in einer Wohnung im Kalandia Fl?chtlingslager. An diesem Dienstag Abend konnten er und seine sechs Kollegen nicht trainieren. Stromausfall hat das Trainingslokal verdunkelt. Ismail h?lt eine Fotografie in der Hand, die ihn als stolzen Sieger mit Pokal zeigt. Er boxte sich im Jahr 2000 an die Spitze seiner Gewichtsklasse in Pal?stina. Um Champion zu werden, brauchte es f?r ihn jedoch lediglich einen Match, da nur gerade f?nf Pal?stinenser im Westjordanland und dem Gazastreifen in der Gewichtsklasse von 71 bis 75 Kilogramm boxen. An einem Matchtag stehe er jeweils zuerst auf die Wage, um sicher zu stellen, dass er nicht zu schwer oder zu leicht sei. Dann bete er, esse Eier, Joghurt und Tomaten und w?rme sich mit dem Springseil auf. Das sei die beste Vorbereitung, um erfolgreich im Ring zu sein. Erfolgreich waren die M?nner vom Boxklub Kalandia vor allem im Westjordanland und dem Gazastreifen. Seit sie 1995 zu boxen begannen, haben sie beinahe jeden Match innerhalb Pal?stinas gewonnen. Im Ausland war das anders. So hat Ismail in Korea gleich in der ersten Runde auf die Nase gekriegt, als er mit dem indischen Meister im Ring stand. Auch Ismails Teamkollege, Ahmed Abu Shahin, ging es nicht besser, als er in China gegen den Boxer aus Tadschikistan antrat. Bereits nach einem Match konnte er seine Handschuhe in die Tasche packen. Weshalb die Boxer von Kalandia im Ausland nicht erfolgreicher sind, k?nnen die M?nner erkl?ren: ?Weniger als 50 M?nner boxen in Pal?stina. Wir br?uchten mehr Konkurrenz. Zudem ist unser Trainer nicht bezahlt und trainiert uns deshalb nicht immer. Wir m?ssen arbeiten, weil uns niemand Geld gibt, deshalb k?nnen wir nicht immer trainieren und haben Schwierigkeiten uns zu verbessern?, sagt Ismail, der als Bauarbeiter sein Geld verdient.

Seit Ausbruch der Intifada im Jahr 2000 hat sich die Boxkonkurrenz zus?tzlich verkleinert. Jetzt k?nnen die M?nner nicht einmal mehr gegen Gegner aus dem Gazastreifen oder Jerusalem antreten, da weder sie noch ihre Kollegen aus dem Westjordanland respektive dem Gazastreifen ausreisen k?nnen. Zudem litt das Lokal, das sich in unmittelbarer N?he des Kalandia Checkpoints befindet, unter den israelischen Milit?raktionen. ?Nach Ausbruch der Intifada haben die israelischen Soldaten das Lokal oft beschossen. Wir konnten nicht mehr trainieren und heute ist der Klub in einem j?mmerlichen Zustand?, erz?hlt Zakareya Fayalh, der Bruder von Ismail und Trainer der Mannschaft. Dass er Kalandias Boxer jedoch nur noch selten trainiert, hat weniger mit der Intifada als viel mehr mit der fehlenden Unterst?tzung seitens des Ministeriums f?r Jugend und Sport zu tun. Zakareya und Ahmed, die beide in einem der drei Sicherheitsdienste Pal?stinas arbeiten, beklagen sich bitter ?ber ihre Regierung. ?Das Ministerium k?mmert sich nur um die pal?stinensischen Fussballer. Wir, die nationale Boxelite, m?ssen sogar unsere Boxhandschuhe aus der eigenen Tasche bezahlen?, jammert Ahmed. Nicht nur in Sportsangelegenheiten, sondern auch was die Regierungspolitik betrifft, versage die Regierung. Die Straffung der Sicherheitsdienste auf drei Apparate und die Ernennung neuer Sicherheitschefs, bezeichnen die M?nner als Witz. ?Neu daran sind bloss die Namen. Amerika, Europa, Israel wollte die Unterteilung, jetzt sind sie zufrieden, aber zur Verbesserung der Sicherheit der Pal?stinenser tr?gt dies nichts bei?, kritisiert Zakareya, der wie viele Pal?stinenser seit dem Amtsantritt Mahmud Abbas keine Verbesserung der Situation wahrnimmt. Die Checkpoints best?nden weiter, die israelischen Siedlungen w?rden ausgebaut und die korrupte Elite in der Regierung sei nicht ausgewechselt worden. ?Jedermann weiss, dass Ministerpr?sident Kurei Zement f?r den Bau der Mauer verkauft hat. Wieso also sitzt er immer noch in der Regierung??, fragt Zakareya.

Um die Wut auf die Intifada, das Gef?ngnis des Westjordanlandes, das Fl?chtlingslager, die eigene Regierung loszuwerden, sei Boxen bestens geeignet, meint Ismail. Boxen, das bedeute Selbstvertrauen f?gt Ahmed an: ?Stark zu sein, wie Mohammed Ali, das ist ein gutes Gef?hl.?

Karin Wenger
28.4.05 16:28


[erste Seite] [eine Seite zurück] s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung