weblog von karin wenger
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Guten Abend
W?hrend ?berall die nationale Einheit gelobt wird,
schlugen sich heute die Fatah- und Hamasmitglieder der
Uni in der Mittagspause die K?pfe ein. Ein kleiner
Lagebericht der sogenannten Eliteuniversit?t.

Als wieder einmal eine dieser Arabisch Klassen ?ber
?billige Panzer in Israel? und ?es lebe der
Widerstand? zu Ende war, hatte ich Hunger. Bereits auf
der Treppe zur Mensa herrschte Tumult und die
Glast?ren der Mensa wurden von einigen Studenten von
Innen zugehalten, so dass niemand Essen holen konnte.
Wie so oft, wusste vorerst niemand wirklich, was der
Aufstand sollte, wer ihn angezettelt hatte und
nat?rlich nicht, wie er zu beenden war. Doch wie
vieles hier, hatte auch diese kleine Revolte einen
Schwachpunkt und das war die offene T?r des
Hintereingangs. W?hrend die Jungs an der Glast?r noch
lauthals verk?ndeten, dass es heute kein Essen g?be,
schaufelte mir Mahmud ein H?hnchenbein und eine
Portion Reis auf den Plasticteller.

Nat?rlich hatte der Aufstand einen Grund ? wenn dieser
heute auch von den meisten Studenten bereits vergessen
war. Am Samstag hatte ein Taxifahrer eines weissen
Taxis, eines illegalen Taxis ohne Lizenz, einem
Studenten in Birzeit eine Kopfnuss verpasst. Wieso es
dazu kam, konnte mir heute niemand mehr sagen. Darauf
holte der Student seine Kollegen und der Taxifahrer
seine Taxifahrer und die Studenten ihre
Dorfmitbewohner und die Taxifahrer ihre
Verwandten....Birzeit verwandelte sich in ein
mittelalterliches Schlachtfeld, bei dem die Schl?ger
je nach Familienzugeh?rigkeit mit F?usten und Messer
aufeinander losgingen. Einige endeten mit Stichwunden
im Spital, andere erschienen heute mit blauen Augen zu
ihren Zwischenpr?fungen. Was hat die Uni damit zu
tun?, kann man sich fragen. Zurecht. Das Problem liegt
nicht wirklich bei der Kopfnuss, sondern darin, dass
die weissen Taxis den gelben, legalen, lizenzierten,
auf Bremsf?higkeit gepr?ften Taxis die Kunden
wegschnappen. Dies gef?llt nicht nur den Taxifahrern
der gelben Taxis nicht, sondern auch deren Kollegen
und Familienangeh?rigen. Und da hier in Pal?stina ein
Rechtssystem a la Gericht, Verkehrsbeh?rde oder einer
sonstigen Beschwerdeinstanz schlichtweg inexistent ist
oder wenn existent nicht funktioniert, wird das Recht
eine jedermanns Angelegenheit. Oder wie die Fatah
Fraktion der Uni Birzeit heute bestimmte: eine
Angelegenheit der Universit?t, deren Mensa so lange
blockiert w?rde, bis die Universit?tsleitung die
weissen Taxifahrer zum Verschwinden bringen.

Dass die Uni-Fatah noch ganz andere Interessen als die
blosse Eliminierung der weissen Taxis vom Unigel?nde
hatte, zeigte sich in der Mittagspause. Dabei muss
eine Randbemerkung gemacht werden: Hamas besitzt im
Studentenrat eine ?berragende Mehrheit, stellt auch
den Pr?sidenten und ist demnach hauptverantwortlich
f?r alle Studentenangelegenheiten. Bald stehen jedoch
Wahlen an und die Fatahmitglieder an der Uni ?ben
bereits ? ganz wie richtig - f?r eine politische
Karriere: mit Intrigen und Schlamassel. So wurde dann
der ganze Unihof mit Lautsprechern beschallt und die
Fatah F?hrer beschuldigten die Hamas F?hrer nichts zur
L?sung des Taxikonfliktes zu beizutragen. Hamas
wiederum hatte heute einen Festakt auf dem Gel?nde
geplant und die gr?nen Fahnen mit den weissen Suren
flatterten ?berall auf ihren Holzstielen. Doch wie
gelegen kamen die Holzstecken den Fatahmitgliedern.
W?hrend einige Hamas Shebabs mit ihrer ganzen Liebe
die Flaggen deckten, brachen die Fatah Shebabs die
Stiele in St?cke und bald herrschte ein buntes
Tohuwabohu von sich gegenseitig mit Fatahstielen
verhauenden Jungs. Und weil die Jungs hier vor allem
auf Steine schmeissen trainiert sind, flogen auch bald
Steinbrocken. Wer mit wem rang, war bald nicht mehr
klar, ein paar Kr?chzlaute, die den Konflikt zu
beenden versuchten gingen unter und die Schaulustigen
standen an den Fenstern und in n?tigem Abstand auf
kleinen Mauern. Das ganze erinnerte mich an die
Pausenplatz Schl?gereien im Schulhaus Steinlig in
Bassersdorf und wie wir alle geschrien hatten:
?Schl?gi, Schl?gi?, bis dann ein Lehrer kam und die
Streith?hne auseinander zurrte. Mit dem kleinen
Unterschied, dass es sich hier um Studenten der
sogenannten Elite Universit?t Pal?stinas handelte, gab
es auch hier Lehrer, die per Flugblatt und Drohungen
den Kampf beendeten. Vorerst war nicht klar, ob die
Uni evakuiert werden sollte, doch dann kehrten alle in
ihre Klassen zur?ck und die Professoren blieben
Kopfsch?ttelnd zur?ck und fragten sich wohl dasselbe
wie ich: Und das soll die nationale Elite werden?

PS: In der ersten Semesterwoche besuchte ich eine
Hamas Willkommensparty. Hamas heisst an der Uni
?brigens islamischer Block. Die Wahrscheinlichkeit
verhaftet zu werden, nimmt mit dieser Benennung ab.
M?nner mit Pauken und Frauen im Hijab, die gr?ne
Flaggen trugen, sind ?bers Universit?tsareal
marschiert. Sie sangen Loblieder auf ihre M?rtyrer.
Sp?ter versammelte sich der ganze Trupp im Auditorium.
Es war ein eigenartiges Gef?hl die einzige Frau ohne
Kopftuch in einem ?berf?llten Auditorium zu sein. In
vorderster Front pr?sentierten zwei junge M?nner
Plakate mit Fotos von Selbstmordattent?tern. Sie
wurden von den Anf?hrern des islamischen Blocks gelobt
und eine Hymmne wurde auf sie gesungen. Sp?ter wurden
die neuen Studenten begr?sst: ?Wir begr?ssen euch
nicht dazu, dass ihr hier seid, sondern, dazu, dass
ihr euer Leben hingebt.?

PS: Apropos Wohnungssuche: Wir sind denn doch noch
f?ndig geworden. Die drei kleinen Steintreffen, die
zum zweiten Salon f?hren, das Sprudelbad und die drei
Balkone sind beinahe dekadent. Und die
Zentralheizung....Am 15. Dezember ziehen Emanuel,
Sh?di und ich ein. Sh?di ist Pal?stinenser, Musiker
und Sohn eines popul?ren pal?stinensischen Dichters
und einer K?nstlerin. Ein interessantes Umfeld ist
damit gewiss und f?r alle, die Ramallahluft schnuppern
wollen: Betten haben wir in unserem kleinen Palast
mehr als gen?gend.

Gruss Karin
Anbei ein Artikel zu den Wahlvorbereitungen. F?r alle
die, die noch nicht ?bers?ttigt sind mit politischem
Futter:

Pal?stina im Wahlfieber
Am 9. Januar soll der neue pal?stinensische Pr?sident gew?hlt werden. Ob und wie die Wahlen statt finden werden h?ngt nicht nur von den Wahlvorbereitungen seitens der Pal?stinensischen Autonomiebeh?rde ab, sondern auch vom Wille der israelischen Regierung den Pal?stinensern den Gang an die Urne zu erm?glichen.

Karin Wenger, Ramallah

Ammar Dwaik ist ein gefragter Mann in diesen Tagen. Der Chefkoordinator der Wahlkommission organisiert von seinem B?ro in Ramallah aus die n?tigen Vorbereitungen f?r die Pr?sidentschaftswahlen am 9. Januar im Westjordanland und dem Gazastreifen. Zehn offizielle Kandidaten bem?hen sich in diesen Tagen um das Amt des verstorbenen Yasser Arafats. Zwei weitere Kandidaturen wurden von der Wahlkommission zur?ckgewiesen ? ein Kandidat hatte keine Kreditkarte und brachte die 3000 Dollar Kandidatursgeb?hren in Banknoten.

Polit-Hickhack innerhalb der Fatah
Mahmud Abbas, alias Abu Masen, wird in aller Munde als neuer Pr?sident gehandelt. Nicht etwa weil er grosse Popularit?t in der Bev?lkerung geniessen w?rde, sondern viel mehr weil er der favorisierte Kandidat der wichtigsten Partei Fatah ist und Erfahrung auf dem politischen Parkett besitzt ? zudem ist er der Wunschkandidat Amerikas, Israels und Europas. Marwuan Barguti, der mit seiner Kandidatur das Politkarussell in den vergangenen Tagen zum Ruckeln gebracht hatte, besitzt keines der Attribute Abu Masens. Daf?r kann er sich als Anf?hrer der Intifada der Popularit?t im Volk, zumindest in der Ramallah Gegend, gewiss sein. Er ist einer von ihnen. Dieser Aktivismus hat ihm denn auch eine Gef?ngnisstrafe von f?nf mal lebensl?nglich eingebracht, die er zur Zeit in einem israelischen Gef?ngnis absitzt und an der sich nach israelischen Angaben auch nichts ?ndern wird. Marwuan Barguti geht als unabh?ngiger Kandidat ins Rennen. Seine eigene Partei Fatah hat sich, da sie nur einen Kandidat nominieren kann, f?r Abu Masen entschieden. Die Kandidatur Bargutis sorgte f?r erhitzte Gem?ter innerhalb der Partei. Dies zeigt einmal mehr, dass die viel gepriesene nationale Einheit, vor allem einheitliche Rhetorik und weniger einheitliche Aktion beweist.
W?hrend die alte Garde der Fatah, die mit Arafat aus dem Exil aus Tunesien zur?ckgekehrt ist, den Friedensprozess mit grosser Kompromissbereitschaft wieder ins Rollen bringen will, hat sich die junge Fatah unter der F?hrung von Marwuan Barguti ?Widerstand? auf die Flagge geschrieben. ?Wenn Abu Masen gewinnt, wird er den Friedenprozess wieder aufnehmen?, glaubt denn auch die Politologin Sonia Nimr. Viele Pal?stinenser f?rchten sich, nach ihrer Meinung, nicht vor dem Friedensprozess, sondern vor den moglichen Kompromissen und vor dem langwierigen Prozess. Denn w?hrend ausl?ndische Minister zur Zeit in Ramallah ein und ausgehen und im Gespr?ch ?ber einen neuen Friedenprozess politischen Kredit auf ihre Konten schaufeln, wird im Westjordanland fleissig an israelischen Siedlungen gebaut. Es ist diese Politik der Tatsachen, der zweischneidigen Zunge die die Pal?stinenser mit Skepsis die greifbaren Verhandlunge betrachten l?sst.

Was passiert mit Ostjerusalem?
Ammar Dwaik spricht weder ?ber politische Vorlieben noch ?ber politische Animosit?ten, seine Probleme sind organisatorische. Zum Beispiel fragt er sich, ob die 100 000 berechtigten W?hler in Ostjerusalem w?hlen k?nnen oder nicht. Denn obwohl Sharon durch die Medien verlauten l?sst, dass er den Wahlen nicht im Wege stehe, wurde der Befehl, die Wahlb?ros in Ostjerusalem zu schliessen, noch nicht offiziell aufgehoben. Zudem erachtet Dwaik die f?nf Wahlb?ros in Ostjerusalem, die nach den Osloverhandlungen eingerichtet wurden, als zu wenig und es m?ssten noch mehr eingerichtet werden, um auch die Bev?lkerung in den umliegenden D?rfern erreichen zu k?nnen.

Gen?gend internationale Beobachter
Auch wenn Dwaik zuversichtlich ist, sorgt er sich um den Wahltag. Strassen- und Ausgangssperren k?nnten die 1,2 Millionen wahlberechtigten Pal?stinenser und Pal?stinenserinnen daran hindern, ihre Stimme in einem der zirka 3000 Wahlb?ros abzugeben. Zudem sei die innere Sicherheit nicht gew?hrleistet, da nicht gen?gend Polizisten vorhanden seien oder an einigen Orten wie beispielsweise in Hebron g?nzlich innexistent sind. Auch ist es den pal?stinensischen Polizisten auf Befehl Israels noch immer nicht erlaubt, Waffen zu tragen. ?Unorganisierte Gruppen oder Bef?rworter eines Kandidaten haben damit ein leichtes Spiel den demokratischen Wahlvorgang zu st?ren?, meint Dwaik. Auch der unabh?ngige Pr?sidentschaftskandidat Mustafa Barguti, der pal?stinensische Reformbef?rworter und Arzt der Vereinigung Medizinischer Hilfsdienste (UPMRC), hat seine Zweifel an fairen demokratischen Wahlen. Er ortet das Problem in der israelischen Besetzung und bef?rchtet Wahlf?lschung der Pal?stinensischen Autonomiebeh?rde. ?Wir sind ein Transitionsland. Die Wahlen sind ein erster Schritt auf dem Weg von einem autorit?ren Staat zu einem demokratischen?, sagt Mustafa Barguti und fordert in diesem Prozess internationale Wahlbeobachter. An diesen soll es nicht mangeln. Die Europ?ische Union hat 200 Beobachter versprochen, auch Kanada, Australien, Tunesien und Egypten wollen ihren Teil f?r ein reibugnsloses Funktionieren beisteuern und Dwaik meint mit einem Augenzwinker, dass es bald mehr Beobachter als Waehler geben werde.

Ob die zweiten Wahlen in der Geschichte der Pal?stinensischen Autonomiebeh?rde zu einer ?nationalen Hochzeit? werden, wie Dwaik die ersten und einzigen Wahlen von 1996 bezeichnet, liegt nicht nur in der Hand der Beobachter, der Wahlvorbereiter, der W?hler und der Interessengruppen, sondern h?ngt vor allem auch mit der Bereitschaft Israels zusammen allen wahlberechtigten P?l?stinensern den Zugang zur Urne zu erm?glichen. Ansonsten muss, nach Sonia Nimr, eine grunds?tzliche Frage gestellt werden: ?Werden die Wahlen ?berhaupt statt finden??



6.12.04 20:30
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Elisabeth Lüchtefeld (14.12.04 21:04)
Mein Herz,
bis Mai ist es noch eine lange Zeit, aber dann ist hier fast Sommer.
So wirst Du Weihnachten in Ramallah verbringen? Fern ab von Deinen Lieben, aber groß wie Dein Herz ist, und wie ein Bahnhof gebaut in dem ein Zug auf Reisen geht, bist Du überall unter Deinen Lieben? Ich würde gerne mal Deine Stimme hören, aber mit dem Mobil scheint es nicht zu klappen. Mail mir doch mal Deine Mobilnummer unter der Du zu erreichen bist.
Ich habe momentan keine Pläne, außer das ich irgendwann im Sommer nach Barcelona möchte, ein Freund heiratet dort. Wenn Du willst können wir auch zusammen nahc Barcelona und nachher in Berlin an dem schönen See arbeiten. Willst Du kein Buch schreiben? Du brauchst aber einen Lektor.
Meinem Herzen geht es gut, und Deinem?
Ich freue mich wenn ich Dich bald umarmen kann.
Riesengroße dicke Küsse
Elisabeth

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